Chronik der Karnevalsgesellschaft Lustige Reserve Eschweiler 1931 e.V.


Mit neuer Satzung in neue Jahrtausend

Der Beginn des neuen Jahrtausends brachte für die Lustige Reserve eine weitreichende organisatorische Änderungen. Eine Mitgliederversammlung am 16.1.2000 beschloss eine umfassende Satzungsänderung. Die wichtigsten Änderungen betrafen den Vorstand der Gesellschaft. Die Kompetenzen des geschäftsführenden Vorstands wurden erweitert, ihm gehörte nach der neuen Satzung neben dem 1. Vorsitzenden, dem Präsidenten, dem Oberzahlmeister und dem Geschäftsführer jetzt neuerdings auch der Kommandant an.

Der bisherige erweiterte Vorstand wurde umbenannt in Generalstab, der Protokollführer durfte sich zukünftig 2. Geschäftsführer nennen. In den Generalstab sollten keine Beisitzer mehr gewählt werden, dafür gehörten ihm fortan die von den Korporalschaften gewählten Korporalschaftsführer an.

Die Leitung und die Verwaltung der Gesellschaft wurde durch die neue Satzung aus den Händen des ehemaligen Gesamtvorstands an den geschäftsführenden Vorstand gegeben.

Die folgende Karnevalssession stand ganz im Zeichen der 150-Jahr-Feier des Eischwiele Fastelovends. Aber ein anderes, nicht weniger außergewöhnliches Jubiläum, wurde bei der Lustigen Reserve gefeiert. Heinz Hahn, Eschweilers dienstältester Zeremonienmeister, feierte sein 40-jähriges Amtsjubiläum. Seit 1960 hatte „Hahne Hein“ seine Reservisten bei Umzügen zielsicher und pünktlich durch die Straßen seiner Heimatstadt und durch so manchen stürmischen Saal geleitet. Bei der Kostümsitzung am 3. Februar 2000 machte er Schluß und trat zurück. Er machten den Weg frei für seinen Nachfolger Detlev Schifter. Die Gesellschaft machte ihm ein besonderes Geschenk und widmete ihm einen prächtigen Sessionsorden.

Einen weiteren außergewöhnlichen Grund zum Jubeln hatte die Musikgruppe der Lustigen Reserve, „De Kröetsch“, bereits einen Tag vorher geliefert. Bei ihrer zweiten Teilnahme an der WDR-Fernsehsendung „Närrische Hitparade“ hatte die Band die Vorrunde in Münster mit dem Titel „Lisbeth“ gewinnen können und landete bei der anschließenden Endrunde auf einem nicht für möglich gehaltenen dritten Gesamtplatz. Bei ihrem Auftritt auf der Kostümsitzung wurden sie vom vollbesetzten Saal mit einem grandiosen Empfang belohnt.

Der bereits traditionelle Ordensabend stand im Jahr 2000 im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums von Fred Braun. Neben den obligatorischen Ehrungen erhielt er den höchst selten verliehenen großen Verdienstorden der Gesellschaft. Auch Detlev Schifter konnte sich über eine besondere Anerkennung seiner langjährigen Verdienste freuen: er erhielt die goldene Ehrennadel.

Über 700 Arbeitsstunden hatten viele Reservisten, darunter zahlreiche Elferräter, in den vergangenen Monaten in die Erstellung eines neuen Elferratswagens gesteckt. Am 18. Februar war es endlich so weit, feierlich wurde das brandneue 2,5-Tonnen-Gefährt auf den Namen „Matjö II.“ getauft. Sein Vorgänger hatte 25 Jahre lang treue Dienste geleistet und konnte seinen verdienten Alterssitz auf dem Schrottplatz einnehmen.

Im Rosenmontagszug der Milleniumssession feierte „Matjö II.“ bei strahlendem Sonnenschein einen souveränen Einstand, umjubelt von 280.000 Zuschauern.

Bei der Jahreshauptversammlung am 2.4.2000 standen die Neuwahlen des Generalstabs auf der Tagesordnung. Bereits im Vorfeld hatte Geschäftsführer Harald Ripp auf eine erneute Kandidatur verzichtet und auch Vizepräsident Klaus Alten stand nicht mehr zur Wahl.

Die Neuwahlen brachten den folgenden Generalstab hervor: die Ämter des 1. Vorsitzenden, des Präsident, des Kommandanten sowie des Oberzahlmeisters blieben unverändert bei Ulrich Joußen, Norbert Weiland, Josef Oleff und Manfred Faust. Der neue Geschäftsführer Hubert Kreutzkamp komplettierte den geschäftsführenden Vorstand.

Günter Gabrich fungierte seit diesem Tag sowohl als Jugendvertreter als auch als 2. Vorsitzender, neuer Vizepräsident wurde Martin Kreies. Weitere Ämter bekleideten Walter Hermes als 2. Geschäftsführer, Norbert Fuhs als 2. Kassierer, Peter Römer als Oberwachtmeister und Michael Tiesarzik als Zeugwart.

Weitere Mitglieder des Generalstabs wurden die von ihren jeweiligen Gruppierungen gewählten Vertreter Günter Zubel als Elferratssprecher sowie Klaus Engelmann, Michael Tiesarzik und Norbert Fuhs als Korporalschaftsführer.

In einer weiteren Entscheidung wurde der Mitgliedsbeitrag für erwachsene Reservisten ab dem 1.1.2001 auf 100,00 DM angehoben.

Aus dem Tanz in den Mai wurde im Jahr 2000 ein Maiball. Wie gewohnt gemeinsam mit der KG Narrenzunft Pumpe-Stich wurde im Vereinslokal Flatten etwas später als gewohnt, nämlich am 13. Mai, ein ausgelassen fröhliches Fest gefeiert.

Bei der Vatertagswanderung, organisiert von der 1. Korporalschaft, standen ein Fußballspiel sowie Sackhüpfen auf dem Programm, was bei Groß und Klein für ausgelassene Stimmung sorgte. Die Wanderung führte durch den Stadtwald nach Bergrath und war ein großer Spaß für die vielen Teilnehmer.

Letzteres galt leider erneut nicht für das Sommerfest, das wie im Vorjahr in den Außenanlagen des Vereinslokals stattfand und wieder nur von sehr wenigen Gästen besucht war. Die Gesellschaft zog die Konsequenzen daraus, so dass das Sommerfest 2000 das vorerst letzte seiner Art war.

Im August 2000 beschloß der Generalstab eine Veränderung der Uniformordnung für Kinder und Jugendliche. Danach erhielten diese an Stelle der traditionellen Reservisten-Kopfbedeckung, des Tschakos, ein Schiffchen. Man kann sich vorstellen, dass dies eine erhebliche Erleichterung für die kleinen Reservisten darstellte.



Rücktritt des Vorsitzenden

Bei der Sitzung des Generalstabs am 12.9.2000 geriet die KG Lustige Reserve plötzlich in eine unerwartete Führungskrise. 1. Vorsitzender Ulrich Joußen erklärte seinen sofortigen Rücktritt von seinem Amt. Die Aufgaben des Vorsitzenden wurden zunächst kommissarisch durch die übrigen Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands wahrgenommen.

Mit einem kräftigen Schluck aus dem Weinbecher eröffnete bereits vier Tage später Winzerkönigin Dragica Jugbluth das Winzerfest im Jahr 2000, das im Beisein von Prinzgemahl Hubert und einem großen Gefolge an der üblichen Wirkungsstätte über die Bühne ging. In einem umfangreichen musikalischen Rahmenprogramm sorgten die Spielmannszüge „Alt Röthgen“, die „Reserve Jonge on –mädchere“ und die „Braatschköpp“ sowie lustige Saalspiele für kurzweilige Unterhaltung. Bei der Musik von Alleinunterhalter Jürgen Meier und verschiedenen Weinen vom Weinbrunnen feierte die Reservistenfamilie mit vielen Gästen ein tolles Fest.

Da das Winzerfest für die jüngsten Reservisten nicht gerade der ideale Tummelplatz ist, führte die Jugendabteilung für die Kleinen wenige Tage später eine gut besuchte Fahrt in die Niederlande in das Bobbejaan-Land durch.

Bei der Sessionseröffnung am 4.11.2000, die traditionsgemäß mit einer kräftigen, vorzüglich schmeckenden Erbsensuppe begann, erschienen bereits erfreulich viele Reservisten mit den neuen Krawatten, die mit dem Vereinswappen versehen seit wenigen Wochen von der Gesellschaft angeboten wurden. Ein kurzes, aber feines karnevalistisches Programm sorgte für die nötige Einstimmung auf die Karnevalszeit.

Die Weihnachtsfeier der Reservistenjugend beschloß wie in jedem Jahr die lange Veranstaltungsreihe auch im Jahr 2000. Am 9. Dezember stimmten sich auch viele erwachsene Reservisten im Kreise von Freunden im „Eschweiler Hof“ auf die ruhige Weihnachtszeit ein.

Aber nicht lange dauerte diese Ruhepause. Denn es galt, in der laufenden Session das 70-jährige Jubiläum der KG Lustige Reserve zu feiern. Hierzu hatte man zu einem Jubiläums-Frühschoppen in das Vereinslokal Bürgerhof Flatten eingeladen.

Alles, was im Eschweiler Karneval Rang und Namen hat, war an diesem Vormittag erschienen, um der Gesellschaft zu gratulieren. Neben einem kleinen, aber feinen Programm gab es Ehrungen en masse. Jubilare, Beförderungen und Komiteeorden folgten Schlag auf Schlag. Hierbei sind herauszuheben das 50-jährige Jubiläum von Fritz Pütz, die Verleihung der goldenen Ehrennadel an Josef Prost sowie das 30-jährige Präsidentschaftsjubiläum von Norbert Weiland.

Der Frühschoppen hatte allen Reservisten so viel Spaß und Freund bereitet, dass man beschloss, diese Veranstaltung in Zukunft jedes Jahr an Stelle des Ordensabends durchzuführen. Für die Ehrungen der verdienten Mitglieder bot dieser Frühschoppen wahrlich einen würdigen Rahmen.

Einige weitere Veränderungen brachte die Jubiläumssession 2001 mit sich. Der Kostümball am Abend des Karnevalssonntag hatte seit vielen Jahren bereits an mangelndem Besucherinteresse gekrankt, nicht zuletzt auch bei den eigenen Vereinsmitgliedern. Aus diesem Grund ging man jetzt dazu über, einen großen Ball am Karnevalssamstag gemeinsam mit der KG Blaue Funken Artillerie und der KG Fidele Trammebülle zu veranstalten.

Der Besuch des Prinzen mit seinem Gefolge wurde aus eben diesem Grund vom Karnevalssonntag verlegt auf die Kostümsitzung. Diese fand am 3. Februar 2001 statt. Vereinseigene Programmpunkte bildeten dabei neben dem Regiments-Spielmannszug Tanzmarie Susanne Kammers, Ludowika Zubel in der Bütt, das Tanzpaar Diana und Norbert Fuhs, die Showtanzgruppe, die „Kröetsch“ sowie die „Burgmüsjere“. Als Gäste begeisterten daneben unter anderem Büttenredner „Moped-Manni“ aus Köln, das Duo „der Bauer und der Wiener“ aus Elsdorf sowie die Eschweiler Blaskapelle „Brass on Spaß“.

Die Session führte die Lustige Reserve im Jahr 2001 zu Gastbesuchen nach Hastenrath, nach Neu Lohn sowie zu den Artilleristen der Blauen Funken.

Der bereits erwähnte Gemeinschaftsball am Karnevalssamstag brach dann am Karnevalssamstag alle Rekorde. Der Saal des altehrwürdigen Bürgerhofs hatte wohl noch nie eine solche Menschenmenge beherbergt. Bis auf den letzten Platz gefüllt sprengte die Veranstaltung alle Erwartungen. Die beiden Musikbands gaben ihr bestes, so dass auch die Stimmung im Saal bombastisch war. Den Verantwortlichen war das Lächeln sozusagen im Gesicht eingemeißelt. Die Entscheidung zu dieser Veränderung hatte sich mehr als richtig erwiesen.

Die tolle Stimmung setzte sich dann am Rosenmontag fort. Bei bestem Wetter zeigte sich auch die Lustige Reserve den nach Polizeischätzungen rund 300.000 Zuschauern von der besten Seite.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es dann allerdings doch noch. Der Abschlussball am Karnevalsdienstag, der seit vielen Jahren gemeinsam mit der KG Fidele Trammebülle durchgeführt wurde, konnte den tollen vorhergehenden Veranstaltungen bei weitem nicht Stand halten. Eine lange Tradition schien sich so langsam wegen des mangelnden Besucherinteresses zu verabschieden.


Sparmaßnahmen wurden beschlossen

Die Jahreshauptversammlung war offenbar nicht ohne Grund auf den 1. April 2001 terminiert worden, denn sie barg für die Reservisten einige Überraschungen. Zunächst zeigte der Kassenbericht, dass wie bereits in den Vorjahren ein deutliches Minus zu verzeichnen war. Auf Vorschlag des Vorstands beschloss die Versammlung mit Blick auf dieses Ergebnis daraufhin Sparmaßnahmen. So sollte bei der Ordensbeschaffung, bei der Hallenmiete für Fahrzeuge sowie bei den Musikkosten in Zukunft der Rotstift angesetzt werden.

Anschließend konnte eine Entlastung des Vorstands nicht erfolgen, da es bei der Prüfung der Jugendkasse Unstimmigkeiten gegeben hatte. Die Beteiligten wurden aufgefordert, die bestehenden Unklarheiten schnellstmöglich auszuräumen.

Als es dann zur Neuwahl des vakanten Postens des 1. Vorsitzenden ging, stellte auch Franz-Günter Gabrich seine Ämter des 2. Vorsitzenden sowie des Jugendvertreters zur Verfügung. Die daraufhin durchgeführten Neuwahlen brachten Peter Schleip als neuen 1. Vorsitzenden hervor. Zum neuen 2. Vorsitzenden wählte die Versammlung Michael Kloker. Um die Jugend kümmerte sich fortan Hubert Jungbluth.

Bei einer weiteren Mitgliederversammlung am 27.5.2001 konnten die Kassenprüfer schließlich auch die ordnungsgemäße Kassenführung der Jugendkasse bescheinigen, so dass eine formelle Entlastung des Vorstands mit einer kleinen Verspätung erfolgen konnte. Trotzdem hatte der Vorgang auch Folgen für die Zukunft. Die Jugendkasse wurde aufgelöst, im Verein wurde von nun an nur noch eine gemeinsame Kasse geführt.

Wegen der bevorstehenden Währungsumstellung von Deutsche Mark auf Euro wurde der Mitgliedsbeitrag mit Wirkung vom 1.1.2002 auf 50,00 Euro festgesetzt.

Im Verlauf des Jahres 2001 feierte die Lustige Reserve einige schöne Feste, die den Beteiligten noch lange angenehm in Erinnerung blieben. Die Vatertagswanderung, bei der alle Getränke und das gesamte Essen vom Elferrat gestiftet wurde, sowie der Maiball waren gut besucht. Erstmals wurde dann ein Kartoffelfest veranstaltet. Am 30. Juni drehte sich im und rund um das Waldrestaurant Szawalla alles und die kleinen, goldbraunen Knollen. Viele Reservisten hatten ihren Spaß bei Reibekuchen und Kartoffelsalat.

Zu einem der bestbesuchten Veranstaltungen der Gesellschaft hatte sich seit einigen Jahren das in langer Tradition stehende Winzerfest entwickelt. Am 15.9.2001 war es wieder einmal so weit. Am schön hergerichteten Reservisten-Weinbrunnen wurden drei verschiedene Weine angeboten, und die Gäste machten reichlich Gebrauch davon. Als Winzerkönigin fungierte dieses Mal Diana Fuhs, die mit ihrem Ehemann Norbert den Brunnen feierlich eröffnet hatte.

Wenige Tage nach der Sessionseröffnung wurde Präsident Norbert Weiland als Nachfolger des fast schon legendären Jupp Carduck zum Präsidenten des Karnevals-Komitees der Stadt Eschweiler gewählt. Noch nie hatte ein Reservist eine solche Spitzenposition im organisierten Eschweiler Karneval inne.

Ihre Spitzenposition im rheinischen Karneval demonstrierten einmal mehr die „Kröetsch“, die sich im Jahr 2002 bereits zum vierten Mal in Folge für die Teilnahme an der Fernsehsendung „Närrische Hitparade“ qualifizieren konnten. Mit ihrem Titel „Spaß em Levve“ konnten sie die Vorrunde am 25. Januar als Sieger für sich entscheiden. Beim Finale zwei Wochen später in Köln reichte es noch für den vierten Platz.

Die übrigen Reservisten erlebten auch im ersten „Euro-Jahr“ eine sehr schöne Karnevalssession. Der als Ersatz für den Ordensabend durchgeführte Frühschoppen zog viele Zuschauer an, die Kostümsitzung war wie gewohnt eine Klasse für sich, die weit und breit ihres gleichen sucht. Und auch der Reservisten-Nachwuchs zeigte sich bei der Kindersitzung von seiner besten Seite. Gastbesuche wurden in Nothberg, in Dürwiß und Bergrath durchgeführt.

Wieder einmal ein besonderer Höhepunkt der Session war der Gemeinschaftsball am Karnevalssamstag, der erneut mit hunderten von Gästen, super Stimmung und toller Atmosphäre aufwartete.



Erstes Fischessen nach vielen Jahren

Nach einigen Jahren Abstinenz hatte die Gesellschaft wieder einmal zu einem Fischessen eingeladen. Am 2. März 2002 ging es im „Alten Landhaus“ am Sticher Berg über die Bühne. Unerwartet viele Reservisten freuten sich über das Wiederaufleben einer alten Tradition. Für eine kleine, unschöne Note sorgte am Rande nur die unzureichende Organisation durch das Veranstaltungslokal.

Wie in jedem Jahr besuchte auch 2002 eine Abordnung der KG Lustige Reserve den Karneval in der Eschweiler Partnerstadt Wattrelos. Einige Reservisten hatten dadurch bereits echte freundschaftliche Bande mit den ein oder anderen Karnevalsjecken aus unserem Nachbarland aufgebaut.

Nur zufriedene Gesichter zeigte daher auch die Jahreshauptversammlung. Dank der bereits wirksamen Sparmaßnahmen konnte Oberzahlmeister Manfred Faust im Kassenbericht erstmals seit vielen Jahren wieder ein positives Ergebnis vermelden. Alleine die Einsparungen bei den Orden und der Musik beliefen sich auf über 2.000,00 Euro.

Den einzigen negativen Aspekt an diesem Vormittag lieferte der Spielmannszug „Reserve-Jonge on –mädchere“, der für alle unerwartet nur noch gegen Bares der Gesellschaft zur Verfügung stehen wollte. Die Versammlung war der Meinung, unter diesen Voraussetzungen zukünftig auf die Unterstützung dieser Gruppierung verzichten zu können, der damit auch den Titel „Regiments-Spielmannszug“ einbüßte.

In der Folge verlief die übrige Zeit des Jahres 2002 in einem sehr familiären, aber relativ unspektakulären Rahmen ohne große Überraschungen. Auf dem Programm standen die von der 2. Korporalschaft organisierte Vatertagswanderung, der Mailball bei Flatten und eine Neuauflage des Kartoffelfestes bei Szawalla.

Die Jugend freute sich über einen Ausflug zum Kölner Zoo. Eine große Schar von kleinen Reservisten staunten nicht schlecht über Affen, Elefanten, Giraffen und Eisbären. Alle Kinder kehrten am Abend wohlbehalten zurück und selbst die Jugendvertreter durften das Zoogelände unbehelligt wieder verlassen.

Weiter ging es mit dem Winzerfest, bei dem Michaela Wilfinger, unterstützt von Dirk Kreies, bereits zum zweiten Mal als Winzerkönigin das Zepter schwang. Und kaum hatte man sich versehen, begann schon wieder die Karnevalssession. Das Erbsensuppeessen eröffnete sie in gewohnt stimmungsvoller Weise.

Und gleich darauf sorgte die Reserve für die Verbreitung des Eschweiler Exportschlagers Nummer eins – des Karnevals. Bei Gastbesuchen in Münsterbusch und einige Wochen später in Kohlscheid zeigten die Reservisten in der „karnevalistischen Diaspora“, was man in Eschweiler unter echtem Fastelovend versteht. Die weiteren Aufmärsche in Pumpe-Stich und Bergrath fielen da schon eher in die Kategorie Heimspiel, machten aber dadurch nicht weniger Spaß.

An dieser Stelle muss es noch einmal besonders betont werden: die Kostümsitzung der KG Lustige Reserve stellt eine der schönsten und stimmungsvollsten Saalveranstaltungen nicht nur in Eschweiler, sondern im weiten Umkreis dar. Das war auch wieder das Fazit der Besucher am 8. Februar 2003.

Mit Cindy Jumpertz und Andreas Oleff gab ein neues, vielversprechendes Tanzpaar sein Debüt auf der Bühne. Tanzmarie Susanne Kammers konnte man dagegen längst nicht mehr als Neuling bezeichnen, die seit vielen Jahren nichts von ihrem tänzerischen Talent verlernt hatte und an charmanter Ausstrahlung immer noch zulegte.

Weitere vereinseigene Spitzenkräfte auf der Bühne waren die prächtige Showtanzgruppe, das Urgestein in der Bütt Ludowika Zubel sowie die Husarentanzgruppe „De Burgmüsjere“.

Und schließlich konnten auch wieder einmal „De Kröetsch“ das Publikum begeistern. Die Reservisten Günter Secker, Gregor Wroblewski, Günter Meyer sowie Harald und Uwe Weiland genossen den grandiosen Empfang auf der Reservebühne sichtlich. Denn nur einen Tag vorher war es der Band erneut gelungen, in der Fernsehsendung „Närrische Hitparade“ die Vorrunde für sich zu entscheiden und sich damit für das Finale in Köln zu qualifizieren.

Dort standen sie am 17.2.2003 vor einem Millionen-Publikum Seite an Seite mit den großen Kölner Bands auf der Bühne. Mit ihrem Titel „Zom Fiere jebore“ errangen sie einen hervorragenden dritten Platz. Auch wenn es wieder nicht für die Spitzenposition gereicht hatte, bereiteten viele Reservisten den fünf Musikern bei ihrer Rückkehr nach Eschweiler einen begeisternden Empfang.

Der großen Gemeinsschaftsball am Karnevalssamstag schien erneut alle Rekorde sowohl in Bezug auf die Besucherzahl als auch auf die nicht mehr zu steigernde Stimmung brechen zu wollen. Als imposantes Sahnehäubchen wurde dabei von vielen der Auftritt einer irischen Regimentskapelle empfunden, die mit ihren Dudelsäcken für eine besondere Überraschung sorgte. Wie bei den Schotten gehörte auch bei ihnen ein Rock zur ordnungsgemäßen Uniform.

Und einigen Reservisten gelang es an diesem Abend tatsächlich, das große Geheimnis zu lüften, was die Männer von der Insel unter ihrem Rock tragen. Da aber bekanntlich Geheimnisse nur dann wirklich interessant sind, so lange sie geheim bleiben, soll auch an dieser Stelle der Mantel des Schweigens über eines der letzten Mysterien der britischen Männerwelt gehüllt bleiben.



Lustige Reserve wird gemeinnützig

Dass sich die Mitglieder der Lustigen Reserve rundum zufrieden mit dem Verlauf der Session zeigten, belegte die Jahreshauptversammlung am 30. März 2003, so dass bei der Vorstandswahl keine wesentlichen Änderungen eintraten. Zu erwähnen ist daher an dieser Stelle lediglich die Übernahme des Amtes des 2. Vorsitzenden durch Josef Prost.

Richtungsweisend war jedoch eine beschlossene Satzungsänderung, wodurch ermöglicht wurde, die Anerkennung als gemeinnütziger Verein beim Finanzamt zu erwirken. Diese wurde auch umgehend beantragt und das Finanzamt Aachen bescheinigte daraufhin der KG Lustige Reserve Eschweiler mit besonderem Bescheid die Gemeinnützigkeit.

Besonders aktiv zeigte sich die Reservejugend im Verlaufe des Jahres 2003. Zunächst wurde im Juni ein Ausflug nach Valkenburg in den Niederlanden durchgeführt. Die Jüngsten der Reservekinder hatten sehr viel Spaß in einem Spielpark.

Einen Monat später stand dann der Ausflug für die älteren Jungreservisten auf dem Programm. In der Jugendherberge Monschau verbrachten sie einige tolle Tage mit Nachtwanderung, Schwimmbadbesuch und vielem mehr.

Ein großes Jubiläum gab es dann im Herbst zu begehen. Bereits zum 50. Mal feierte die Lustige Reserve ihr Winzerfest. In den letzten Jahren hatte es sich zu einem wahren Publikmsmagneten entwickelt. Das lag sicherlich an der besonderen Atmosphäre bei dieser Veranstaltung, die den großen Weinfesten an Rhein, Ahr und Mosel in nichts nachstand.

Als im Jahr 1953 Magdalena Secker als erste Winzerkönigin der Reserve ihrem Volke bei einem Winzerfest zuprostete, ahnte noch niemand, dass sich aus dem damaligen spontan erdachten Fest eine so beliebte Tradition entwickeln würde, die auch nach 50 Jahren noch Bestand haben sollte.

Trotz aller Tradition gab es jedoch an diesem Abend auch eine Premiere. Erstmals eröffnete eine Winzerkaiserin das Fest, denn Ludowika Zubel trug bereits 1981 und 1993 die Krone der Rebenkönigin. Wie es an diesem Abend seit jeher üblich war, stand Prinzgemahl Günter nur in der zweiten Reihe, der jedoch den Thron gerne seiner Wika überließ.

Auch beim Jubiläums-Winzerfest sorgten Saalspiele und die große Verlosung dafür, dass bei den vielen Gästen keine Langeweile aufkam. Und selbstverständlich war der Weinbrunnen mit kulinarischen Genüssen bestens ausgerüstet. Neben den verschiedenen Weinsorten wurden dem Zwiebelkuchen, den Brezeln und Käsestangen reichlich zugesprochen.

Eine sehr gut besuchte Sessionseröffnung bedeutete wie immer den Start in die fünfte Jahreszeit. Herausragende Programmpunkte waren neben der Erbsensuppe Tanzmarie Susanne Kammers, das Tanzpaar Cindy Jumpertz und Andreas Oleff, ein fabelhaftes Zwiegespräch von Präsident Norbert Weiland mit seinem Sohn Thomas, die Showtanzgruppe, die „Kröetsch“ sowie die „Burgmüsjere“. Die Reserve zeigte sich wieder einmal bestens gerüstet für die kommende Session.

Beim Frühschoppen am 25. Januar 2004 regnete es förmlich Beförderungen, Ehrungen und Auszeichnungen, so dass an dieser Stelle natürlich nicht im Einzelnen darauf eingegangen werden kann. Eine Ausnahme ist dabei jedoch zu machen für Hubert Jungbluth, der an diesem Morgen für seinen Jahrzehnt währenden Einsatz für die Reserve und die Eischwiele Fastelovend mit dem goldenen Stadtwappen des Karnevalskomitees ausgezeichnet wurde.

Die sonstigen Höhepunkte der Session bildeten wie bereits in den vergangenen Jahren die mitreißende Kostümsitzung, die den Saal Flatten wieder einmal in ein Tollhaus verwandelte, sowie der Gemeinschaftsball, bei dem die Stimmung überschwappte.

Der traditionelle Umzug am Karnevalsdienstag fand im Jahr 2004 eine unerwartete Attraktion beim Besuch des letzten Bauernhofs in der Eschweiler Innenstadt. Heinz Adolphs, Schwiegersohn eines der ersten Reserve-Mariechens, hatte die Gesellschaft zu einem Besuch auf seinem Hof eingeladen. Diese Einladung wurde dankend angenommen und die Einkehr hätte nicht schöner hätte verlaufen können.

Das gerade Gegenteil ist leider vom Abschlussball am Dienstagabend zu berichten. Nur wenige Reservisten fanden sich im Saal Flatten ein, der Abschied vom Karneval wurde zu einer wahrhaftig traurigen Veranstaltung. Auf Grund dieses mangelnden Besucherinteresses war der Abschlussball des Jahres 2004 der vorerst letzte seiner Art.

Ein gut besuchtes Fischessen am 13. März 2004 beendete mit einigen heiteren Rückblicken eine insgesamt sehr erfreuliche Session. Für besondere Heiterkeit sorgte das beliebte Bingospiel, das an diesem Abend erstmals veranstaltet wurde.

Mit einem Schreiben von 22 Frauen hatte sich dann die Jahreshauptversammlung am 28. März auseinander zu setzen. Die vorwiegend jungen Frauen aus Tanz- und Kostümgruppen hatten gebeten, vollwertige Mitglieder werden zu dürfen und baten zu überlegen, ob die Satzungsbestimmung, dass lediglich Männer Mitglied der Lustigen Reserve werden dürfen, noch zeitgemäß sei.

Dieses Schreiben führte zu einer gegensätzlichen Diskussion, bei der viele Aspekte pro und kontra abgewogen wurden. Die Versammlung entschied sich bei der abschließenden Abstimmung letztlich deutlich dafür, alles beim Alten zu belassen, so dass es auch fortan mit Ausnahme der Tanzmarie keine weiblichen Reservisten geben sollte.

Vorgestellt wurde im Verlaufe der Jahreshauptversammlung auch die erste Internetseite der KG Lustige Reserve, die unter der Adresse www.lustige-reserve.de seit kurzem vielfältige Informationen über die Gesellschaft weltweit zur Verfügung stellte. Verantwortlich für die Erstellung und Pflege der Seite war Ralf Wasser, unterstützt von einigen Helfern.

Zum Winzerfest des Jahres 2004 hatte sich seit vielen Jahren erstmals wieder keine Winzerkönigin finden können. Da das Fest jedoch ohne Königin nur unvollständig ist, griff der Vorstand daher auf ein aus der Geschichte dieser Veranstaltung bekanntes und bewährtes Verfahren zurück. Die Winzerkönigin wurde im Verlaufe des Abends ausgelost.

Neue Winzerkönigin wurde so mit der Los-Nr. 901 Stefanie Sewelies. Mit ihrem Mann Norbert hatte sie bereits reichlich Erfahrung in Sachen Repräsentation sammeln können, schließlich waren sie das amtierende Königspaar der St. Rochus Schützenbruderschaft aus Röthgen.

Mit viel Schwung und einer leckeren Erbsensuppe startete dann die Lustige Reserve am 12.11.2004 in die neue Karnevalssession. Das Tanzpaar Cindy Jumpertz und Andreas Oleff machte den Anfang und verdeutlichte, dass sie im dritten Jahr schon viel Erfahrung auf der Bühne sammeln konnte. Anschließend nahm mit Käthe Heinen ein Reserve-Urgestein als Kellnerin den Elferrat kräftig in die Mangel. Nach vielen Jahren ging sie noch einmal in die Bütt und zeigte dabei, dass sie noch nichts von ihrer Schlagfertigkeit verlernt hatte.

Mit der Showtanzgruppe, der Husarentanzgruppe „De Burgmüsjere“ sowie den unvermeidlichen „Kröetsch“ feierte die Reserve einen gelungenen Sessionsstart und machte den vielen Besuchern dabei erkennbar Lust auf mehr.

Bevor es jedoch in die alljährliche Weihnachtspause ging, absolvierte die Gesellschaft noch einen vielumjubelten Gastbesuch bei Prinzenproklamation der KG Pannebäckere in Langerwehe.

Die Lokalpresse berichtete Anfang des Jahres 2005, dass nicht nur die Ehrungen und Huldigungen sondern gerade die gemütliche Atmosphäre den Frühschoppen der Lustigen Reserve schon seit Jahren zu einer sehr beliebten Veranstaltung mache. So fanden sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Reservisten, aber auch Freunde, Bekannte im Vereinslokal Flatten ein.

Neben Beförderungen und Ehrung der Jubilare gehörte die Verleihung der goldenen Ehrennadel wieder einmal zum herausragenden Ereignis. In diesem Jahr wurde sie dem langjährigen Mitglied Johann Zuraszek angeheftet. Wie alle anderen Ausgezeichneten erhielt er den Sessionsorden der Gesellschaft, den in diesem Jahr das ehemalige Odilienkapellchen zierte, das, ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert stammend, lange Zeiten zum Röthgener Ortsbild gehörte.

Eine weitere Ordensverleihung stellte ein Novum in der Vereinsgeschichte dar. Die Ehefrau des Präsidenten, Hildegard Weiland, erhielt für 18 Jahre Betreuung der kleinsten Reservisten-Tanzgruppe das BDK-Treue-Abzeichen im Tanzsport in Gold mit Brillanten.

Ein Feuerwerk der guten Laune brannten die Reservisten dann erneut am 15.1.2005 ab. Bei der Kostümsitzung vor ausverkauftem Saal bewiesen die Akteure einmal mehr ihre Sonderstellung im Eschweiler Karneval.

Den Einzug in den Saal begleitete der Spielmannszug Alt-Röthgen, der bereits seit einigen Jahren zum festen Bestandteil der Lustigen Reserve gehörte und die Gesellschaft bereits auf vielen Veranstaltungen begleitet hatte.

Anschließend zeigten die bewährten Bühnenasse der Reserve, unterstützt von einigen auswärtigen Kräften, was in ihnen steckt. An erster Stelle ist da die charmante Tanzmarie Susanne Kammers zu erwähnen, die erneut alle Zuschauer mit ihrem Tanz auf hohem Niveau beeindruckte. Ludowika Zubel ließ einmal mehr kein gutes Haar an den Männern. Weitere tänzerische Höchstleistungen boten das Tanzpaar Cindy Jumpertz und Andreas Oleff, die Showtanzgruppe, die in diesem Jahr zu Abba-Hits voll im Trend der Zeit lag, sowie die sich immer noch steigernden „Burgmüsjere“. Den Abschluss der hervorragenden Sitzung bildeten einmal mehr die „Kröetsch“.

Im weiteren Verlauf der Session wurde der befreundeten Karnevalsgesellschaft Ulk Oberröthgen ein Gastbesuch abgestattet. Die Lustige Reserve zeigte einmal mehr Präsenz bei ihren Umzügen, die allesamt bei gutem Wetter stattfinden konnten. Erstmals wurde im Jahr 2005 am Karnevalsdienstag kein Abschlussball mehr durchgeführt. Trotzdem trafen sich einige Reservisten im Vereinslokal, um dem Karneval für einige Monate Lebe wohl zu sagen.

Einen gemütlichen, gut besuchten und fröhlichen Abschluss fand die Session allerdings erst einige Tage später beim Fischessen. Viele Reservisten freuten sich bereits auf das Bingospiel, das seit dem vergangenen Jahr zum festen Bestandteil der Veranstaltung gehörte.



Ganz recht – auch in den vergangenen Jahren hat sich so einiges ereignet in der Reservistenfamilie. Wie in einer wirklichen Familie gab es schöne und weniger schöne Tage. Aber dass die richtig schönen Sonnentage deutlich überwogen haben, wird aus der vorliegenden Chronik hoffentlich mehr als deutlich.

Die KG Lustige Reserve Eschweiler hat inzwischen seit 75 Jahren sehr deutlich und nachhaltig bewiesen, dass sie ein zwar nicht ganz so großer, aber dafür um so unverzichtbarer Teil der Eischwiele Fastelovend darstellt. Ohne den besonderen und einzigartigen Aspekt, den die Lustige Reserve in den Eschweiler Karneval einbringt, wäre er, und das können wir mit einer nicht übertriebenen Portion Selbstbewusstsein behaupten, nicht das, was er heute ist.

Das liegt sicherlich zum Teil an den besonderen Persönlichkeiten, die die Lustige Reserve immer wieder hervorgebracht hat, und die über die Gesellschaft hinaus den gesamten Eschweiler Karneval beeinflußt haben.

Das liegt auch an seinen Mitgliedern, deren Menschlichkeit, deren Gemeinschafts- und Familiensinn und an ihrer festen Verbundenheit untereinander. Das liegt aber vor allem an der Art und Weise, den Karneval auch heute noch so zu feiern, wie es in Eschweiler vor 75 Jahren und auch schon vor 150 Jahren üblich war: urwüchsig, volkstümlich, ungezwungen und vor allem mit ganzem Herzen.

Man kann nur wünschen und hoffen, dass es den Verantwortlichen gelingen mag, diese typische, besondere Eigenart des ursprünglichen rheinischen Karnevals zu verteidigen gegen die immer weiter um sich greifende Mentalität des Kulturkonsums in unserer modernen Gesellschaft.

Alaaf op de Eischwiele Fastelovend
Jeck fenk op de Löstije Reserv.